Häufiges Sitzen mit falscher Haltung gilt als einer der Hauptgründe für eine Reihe gesundheitlicher Beschwerden – von Muskelverspannungen über Kopfschmerzen bis zu Konzentrationsproblemen. Wer im Rollstuhl sitzt, tut das einen Großteil seines Alltags und sollte entsprechend besonders darauf achten, richtig zu sitzen.
Die richtige Sitzhaltung ist für Ihre Gesundheit wichtig, um:
- Muskelverspannungen vorzubeugen,
- Haltungsschäden zu verhindern,
- Atmung, Verdauung und Kreislauf zu fördern,
- Druckstellen und Dekubitus zu vermeiden,
- Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag zu verbessern.
Explizit bei manuellen Rollstühlen ist sie zudem essenziell, um diesen ohne Probleme selbstständig anschieben zu können.
Grundlagen einer ergonomischen Sitzhaltung im Rollstuhl
Unabhängig davon, welchen Rollstuhl-Typ Sie nutzen – wichtig ist, dass Sie jederzeit stabil sitzen. Dazu sollten die folgenden Faktoren gegeben sein:
- Beckenpositionierung: aufrechte Beckenhaltung, keine einseitige Verlagerung,
- Wirbelsäule: Erhaltung der natürlichen Doppel-s-Form, kein Rundrücken oder Hohlkreuz,
- Bein- und Fußhaltung: Füße liegen komplett auf den Stützen auf,
- Armhaltung: Schultern sind entspannt, Arme liegen locker auf den Lehnen,
- Kopf- und Nackenhaltung: Blick geradeaus, Nacken wird nicht überstreckt.
Richtig Sitzen im Rollstuhl: Achten Sie auf diese Einstellungen
Selbst wenn man in der Theorie weiß, wie eine gesunde Körperhaltung aussieht, ist die Umsetzung nicht immer leicht. Das eigene Körpergefühl kann täuschen, deshalb ist es immer gut, sich an handfesten Regeln orientieren zu können.
Sitzhöhe
Wenn Sie Ihre Füße abstellen, sollten Ihre Knie auf keinen Fall höher als Ihre Hüften stehen. Achten Sie darauf, dass Ihre Beine etwa einen 90-Grad-Winkel bilden. Dadurch entsteht ein fester Sitz, da Ihre Oberschenkel Kontakt zum Sitzkissen haben – allerdings sollte kein unangenehmer Druck zwischen Bein und Sitzkissen entstehen.
Ein weiteres Zeichen für eine richtige Haltung ist, dass Sie mit den Sohlen vollen Kontakt zu den Fußstützen haben. Diese wiederum sollten sich ca. drei Zentimeter über dem Boden befinden, um das Fahren nicht zu blockieren.
Nutzen Sie einen manuellen Rollstuhl, sollten Ihre Handinnenflächen zudem ungefähr über der Radnabe liegen, wenn Sie die Arme hängen lassen. Das entspricht der optimalen Höhe, um die Räder antreiben zu können.
Sitzbreite
Die Sitzfläche sollte nicht zu breit sein, da Sie sonst aus dem Sitz rutschen oder eine einseitige Haltung einnehmen könnten. Auf der anderen Seite sollte sie aber auch nicht so schmal sein, dass Druckstellen an den Oberschenkeln entstehen.
Achten Sie am besten darauf, dass Sie rechts und links von Ihren Oberschenkeln ein bisschen Luft (ca. zwei cm) haben.
Sitztiefe
Wenn Ihr Rücken die Lehne berührt, sie also weitmöglichst hinten sitzen, sollten dennoch zwei Finger breit zwischen Sitz und Kniekehle passen. Bei der manuellen Fortbewegung sollten Sie zudem darauf achten, dass Sie sich beim Antreiben der Räder nicht selbst aus dem Sitz schieben können.
Fußstellung
Um Knöchel und Knie zu entlasten, sollten Beine und Füße im 90-Grad-Winkel aufgestellt werden können. Das beugt auch einer Überbelastung Ihrer Hüfte (bei zu niedrigen Fußstützen) oder Druckstellen am Gesäß (bei zu hohen Stützen) vor.
Etwas anders verhält es sich bei Aktiv-Rollstühlen. Hier kann der für Sie passende Winkel durchaus davon abweichen, denn für eine aktive Bewegung muss er oft etwas kleiner sein.
Höhe von Rückenlehnen
Wenn Sie Ihren Rollstuhl selbstständig über die Räder fortbewegen, sollte die Rückenlehne knapp unter dem Schulterblatt enden. Auf diese Weise haben Sie ausreichend Bewegungsfreiraum, um das Hilfsmittel gut bedienen zu können.
Werden Sie von einer anderen Person bewegt oder fahren mit einem Elektro-Rollstuhl, bietet sich meist eine höhere Lehne an. Viele Modelle verhelfen mit einem bequemen Nackenkissen zur richtigen Haltung.
Höhe von Armlehnen
Die Armlehnen sollten so eingestellt sein, dass Sie Ihre Arme im 90-Grad-Winkel auf Ihnen ablegen können. Die Schultern sollten dabei nicht zu den Ohren gedrückt werden, sondern locker fallen können.
Je nach Behinderung können Sie vielleicht die Knie nicht in einen 90-Grad-Winkel bringen oder haben andere Einschränkungen, die von unseren Empfehlungen abweichen. In diesem Fall empfehlen wir Ihnen, sich von Fachpersonal beraten zu lassen. Dieses weiß genau, welcher Rollstuhl zu Ihrem Körper passt.
Auch interessant: Unser Blogbeitrag mit Informationen rund um alle relevanten Elektro-Rollstuhl-Maße. Schauen Sie mal rein.
Häufige Fehler: Daran merken Sie, dass Sie falsch sitzen
An den folgenden Dingen können Sie festmachen, dass Sie etwas an Ihrer Sitzhaltung ändern sollten. In diesem Fall empfehlen wir Ihnen, das von Fachpersonal überprüfen zu lassen. Hierbei bietet sich üblicherweise ein Ansprechpartner im Sanitätshaus an.
Dort sollten Sie vorstellig werden, wenn:
- Sie bei der Fortbewegung stark im Sitz hin und her rutschen,
- Ihr Körper beim Sitzen weit nach vorn gebeugt ist,
- Sie ständig Verspannungen in Schultern und im Nacken plagen,
- dauerhaft Druck auf Körperteile ausgeübt wird oder Sie wunde Stellen haben,
- Sie bei der Fortbewegung mit Armen oder Knien an Stangen des Rollstuhls stoßen,
- Ihre Oberschenkel das Sitzkissen nicht berühren,
- Sie Schmerzen oder Verspannungen in der Hüfte haben,
- Ihre Füße nicht oder nur mit den Zehenspitzen die Fußstützen berühren.
Aber auch wenn Sie keine konkreten Beschwerden mit Ihrer Sitzposition in Verbindung bringen können, sich aber irgendwie unwohl fühlen, ist ein Gespräch mit Fachpersonen ratsam. Hier gilt: Lieber zu viel nachgefragt, als unter den Folgen falschen Sitzens zu leiden.
Individuelle Einstellungsmöglichkeiten an Rollstühlen
Sehr praktisch sind Modelle, deren einzelnen Komponenten sich anpassen lassen. Das ist häufig bei Elektro-Rollstühlen der Fall, aber auch einige manuelle Ausführungen verfügen über diese Fähigkeit.
Fußstützen, Sitz und Lehnen können bei diesen Hilfsmitteln flexibel verstellt und auf Ihren Körper angepasst werden. Das ist ein klarer Vorteil, da individuellere Einstellungsmöglichkeiten geboten werden – und Sie Ihren Rollstuhl auch im Falle von Veränderungen Ihres Körpers noch nutzen können.
Fachberatung: So finden Sie heraus, ob Sie richtig im Rollstuhl sitzen
Ob temporär oder dauerhaft – im Rollstuhl verbringen Sie längere Zeit am Stück sitzend. Aus diesem Grund ist es immer wichtig, ein Modell zu nutzen, das Ihren Körper unterstützt und nicht schadet.
Wir empfehlen Ihnen daher grundsätzlich vor dem Kauf sowohl eine Fachberatung als auch eine Probefahrt in Anspruch zu nehmen. In der Realität gibt es viele individuelle Faktoren, schließlich ist jeder Körper einzigartig. Entsprechend wichtig ist es, auch Ausnahmen zu bedenken und auf Ihre Einschränkung einzugehen.
In einem Sanitätshaus werden Sie üblicherweise fachgerecht vermessen und beraten.
Wenn Sie sich für einen faltbaren Elektro-Rollstuhl interessieren, der sich als perfekter Alltags- oder Urlaubsbegleiter eignet, könnte eins unserer MovingStar-Modelle zu Ihnen passen. Die meisten Rollstühle lassen sich anpassen und unter den vielen Modellen ist sicherlich eines, das zu Ihnen passt. Testen Sie das gern in einem Sanitätshaus in Ihrer Umgebung. Wir verhelfen Ihnen zu einem Termin – kostenlos und unverbindlich über unser Kontaktformular.



