Eine falsche Haltung im Rollstuhl fällt oft erst auf, wenn schon Probleme auftreten: Zunächst wird langes Sitzen unbequem, dann treten Verspannungen und Schmerzen auf. Dabei soll das Hilfsmittel Ihnen Entlastung bringen und keine Beschwerden.
Damit das nicht passiert, erklären wir Ihnen im Folgenden, woran Sie frühzeitig merken, dass Sie schief im Rollstuhl sitzen – und wie Sie stattdessen eine gesunde Haltung einnehmen.
Was sind Merkmale für eine schlechte Sitzposition im Rollstuhl?
Die ersten Anzeichen für eine schlechte Haltung im Rollstuhl bleiben häufig unentdeckt, können aber zu ernst zu nehmenden Problemen führen. Deshalb ist es wichtig, aufmerksam zu sein, um bei Bedarf aktiv zu werden.
Achten Sie unbedingt auf:
- Druckstellen: Wer eine stabile Haltung einnimmt, verteilt sein Gewicht gleichmäßig. Irritierte Haut und Druckstellen bis hin zum Dekubitus (Wunde in Folge gestörter Durchblutung) weisen auf schiefes Sitzen hin.
- Schmerzen: Insbesondere nach langem Sitzen im Rollstuhl sind Schmerzen und Verspannungen (z. B. im Nacken, Rücken, in den Beinen oder im Gesäß) ein Zeichen. Vor allem einseitig auftretend kann das ein Hinweis auf schiefes Sitzen sein.
- Erschöpfung: Stabiles Sitzen ist nicht nur bequemer, sondern auch einfacher für den Körper. Die Anstrengung, eine falsche Haltung beizubehalten, kann zu Müdigkeit und einer Verminderung der Leistungsfähigkeit führen.
- Ständiges Verrutschen: Wenn Sie häufig Ihre Position korrigieren, sich neu aufrichten oder wieder in den Sitz drücken müssen, ist das oft ein Zeichen für eine unsichere Haltung.
- Probleme bei der Fortbewegung: Spüren Sie, dass Sie bei der Fortbewegung eines manuellen Rollstuhls auf einer Seite mehr Kraft aufbringen müssen, sollten Sie aufmerksam werden. Aber auch wenn Ihr Hilfsmittel leicht in eine bestimmte Richtung zieht, ist das ein Zeichen.
- Asymmetrische Sitzhaltung: Spätestens, wenn von außen sichtbar ist, dass Sie nicht gerade sitzen, ist die Sache klar. Hinweise darauf sind beispielsweise eine ungleiche Schulterhöhe, eine Schieflage des Beckens oder eine schräge Kopfhaltung.
Sie sind unsicher, ob Ihre Beschwerden auf eine falsche Haltung zurückzuführen sind? Melden Sie sich am besten beim Sanitätshaus Ihres Vertrauens, um sich diesbezüglich beraten zu lassen. Bei akuten Schmerzen konsultieren Sie bitte zeitnah Ihren behandelnden Arzt.
Welche Ursachen gibt es für schiefes Sitzen?
Hinter einer schiefen Haltung stecken meist mehrere Faktoren, die sich mitunter gegenseitig verstärken können. Manche sind körperlich bedingt, andere hängen mit den Maßen, Einstellungen oder der Ausstattung Ihres Rollstuhls zusammen.
Wichtig: Schiefes Sitzen ist kein Zeichen von “falschem Verhalten”, sondern eine Kombination aus Ursachen, die man verbessern kann – wenn man sie erkennt.
Falsche Rollstuhl-Eigenschaften als Ursache
- Falsche Maße der Sitzfläche
Ist der Sitz zu breit, fehlt Halt und Sie rutschen hin und her.
- Ungeeignetes Sitzkissen
Eine zu weiche oder durchgesessene Polsterung kann das Gleichgewicht stören.
- Einstellungen der Lehnen und Stützen
Sind Fußstützen oder Armlehnen ungleichmäßig eingestellt, kippt der Körper leicht zu einer Seite.
- Ungünstige Sitztiefe
Ein zu tiefer Sitz führt oft dazu, dass entweder die Beine in der Luft baumeln oder das Becken nach vorn gekippt wird.
Auch interessant: In unseren Blogbeiträgen zu Elektro-Rollstuhl-Maßen und der Rollstuhlbreite im Speziellen erfahren Sie mehr zur richtigen Einstellung.
Körperliche Probleme als Ursache
- Muskelschwäche oder -disbalance
Eine schwache oder asymmetrisch belastete Rumpfmuskulatur kann dazu führen, dass der Oberkörper beim Sitzen zur Seite kippt, weil Stabilität fehlt.
- Neurologische Einschränkungen
Nach Schlaganfällen oder bei neurologischen Erkrankungen fehlt oft das Bewusstsein für die Körpermitte, was im Sitzen unbemerkt zu einer einseitigen Körperhaltung führt.
- Fehlstellungen
Seitliche Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliose) oder Beckenschiefstand bringen den Körper im Sitzen dauerhaft in eine schiefe Lage.
- Kontrakturen oder Gelenkversteifungen
Verkürzte Muskelgruppen oder steife Gelenke, insbesondere im Hüft- oder Kniebereich, bringen den Körper beim Sitzen in eine ungleiche Position.
Körperliche Faktoren sollten immer von Ärzten ausgeschlossen oder bestätigt werden. So finden Sie heraus, wie Sie den krankheitsbedingten Schiefstand mit dem richtigen Rollstuhl ausgleichen und die Beschwerden verbessern zu können.
Wie kann ich meine Sitzhaltung im Rollstuhl verbessern?
Wenn die schiefe Haltung einmal aufgefallen ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese zu beheben. Welche die richtigen sind, ist abhängig von der Ursache und sollten daher immer individuell geprüft werden.
Zuerst sollten Sie prüfen, ob die Ursache am Rollstuhl und seinen Einstellungen liegt.
Ein ergonomisches Sitzkissen ist beispielsweise eine einfach umsetzbare Lösung. Ihr Gewicht wird gleichmäßig verteilt und Sie sitzen automatisch gerader.
Wählen Sie einen Rollstuhl, an dem sich Fußstützen und Armlehnen flexibel justieren lassen. In diesem Fall können Sie auch ausgleichen, wenn Sie beispielsweise zwei unterschiedlich lange Beine haben.
Zusätzlich können Mobilitätsübungen zur Lockerung der Muskulatur beitragen. Außerdem lernen Sie, aktiv und bewusst eine gesunde Haltung einzunehmen. Mehr dazu können Sie in unserem Beitrag Richtig sitzen im Rollstuhl nachlesen.
Schlussendlich sollten Sie die passenden Maßnahmen aber bei Fachpersonal erfragen, um wirklich alles richtig zu machen.
Probefahrt: von vornherein richtig sitzen
Vor dem Kauf sollten Sie immer eine Probefahrt mit dem Rollstuhl Ihrer Wahl machen. Im Sanitätshaus kann Fachpersonal mit geschultem Blick einschätzen, ob alles passt.
Achten Sie selbst auch auf die folgenden Punkte, um nicht schief zu sitzen:
- Setzen Sie sich weit nach hinten, dabei dürfen Ihre Waden das Sitzkissen nicht berühren. Zwei Finger müssen zwischen Sitz und Kniekehle passen.
- Auf beiden Seiten sollten neben den Hüften noch etwa zwei cm Spielraum auf dem Sitz sein.
- Die Ellenbogen müssen entspannt im 90 Grad Winkel auf den Stützen liegen können.
- Wenn die Füße vollständig auf der Fußstütze stehen, sollten Ober- und Unterschenkel einen 90 Grad Winkel bilden.
- Bei einem Standard-Rollstuhl sollte die Rückenlehne für ausreichend Bewegungsfreiheit etwa bis zu den Schulterblättern reichen. Im E-Rollstuhl fördert hingegen eine etwas höhere Lehne eine gute Haltung.
Elektro-Rollstühle von MovingStar erhalten Sie im Sanitätshaus in Ihrer Nähe - und somit grundsätzlich in Verbindung mit einer Fachberatung. Auf diese Weise möchten wir sichergehen, dass Sie auch langfristig richtig sitzen. Gerne verhelfen wir Ihnen zu einem Termin in einem Sanitätshaus in Ihrer Nähe – nutzen Sie dafür unser kostenloses und unverbindliches Kontaktformular.



